Landläufig stellt man sich Mathematiker als Tüftler in einem kleinen Büro vor, die möglichst unbehelligt von der Umwelt arbeiten wollen. Je nach eigener Ansicht wird man jetzt hoffen, dass das so ist und man die hektische Umwelt außen vor lassen kann oder dass dies eher Klischees bedient und Mathematik im Diskurs mit kommunikativen Kolleginnen und Kollegen betrieben wird.
Die Antwort auf die Frage „Ist das so, also mit dem allein sein im kleinen Raum?“ ist eher ein klares „Jein“.
Mathematik ist zum einen eine überraschend kommunikative Wissenschaft, wenn es darum geht, ein Problem zu formulieren, sich auszutauschen, ob man auch alle Aspekte, Annahmen und Voraussetzungen exakt formuliert und verstanden hat. Mathematik ist auch kommunikativ, wenn man das Problem gelöst hat, denn zum einen ist man über die Lösung begeistert und möchte sie mitteilen und natürlich auch die Versicherung erhalten, dass sie korrekt ist. Zum anderen brauchen Mathematiker auch den Rückzug ins Büro, einfach deshalb, um kreative Ideen zu verfolgen, bei denen man eben zu Beginn nicht weiß, ob sie zur Lösung oder nach langen Überlegungen zu der Erkenntnis führen, dass man auch schon zu Beginn der Überlegungen hätte wissen können, dass der Ansatz ungeeignet ist, quasi ins Nichts führt. Womöglich hätte man die Zeit gespart, wenn den Ansatz in der Gruppe diskutiert hätte, aber man macht ja auch nicht gern falsche Vorschläge …
Wirkliche mathematische Probleme können eine lange Bearbeitungszeit erfordern. Das beginnt bei Übungsaufgaben und endet bei Problemen, deren Lösung unterwegs auf neue Probleme führen, die gelöst werden müssen, um einen eingeschlagenen Weg überhaupt sinnvoll fortsetzen zu können. Dann ist ein ausgiebiger Austausch mit den Kollegen und Kolleginnen oder Kommilitonen und Komilitoninnen ein geeigneter Schritt. Und natürlich gibt es Probleme, die bis heute nicht gelöst sind.
Also, einsames Überlegen in der dunklen Kammer und anregendes Diskutieren bei einer Tasse Kaffee (es gibt entgegen anderslautender Gerüchte auch viele Mathematiker, die lieber Tee trinken …), beides ist notwendig und hat seinen Platz im (Berufs-) Leben der Mathematiker.